Franz-Josef Medam von Cittadino im Interview: »Neueinsteiger sollten die Finger davon lassen!«

Franz-Josef Medam, Geschäftsführer bei Cittadino, über die Komplexität des Digital Signage-Marktes und warum dieser sich nur für Spezialisten eignet.

Franz-Josef Medam, Geschäftsführer bei Cittadino
(Foto: Cittadino)

Franz-Josef Medam, Geschäftsführer bei Cittadino, im Interview mit CRN

CRN: Wie nehmen Sie den aktuellen Digital Signage-Markt wahr? Gibt es noch das große Wachstum der vergangenen Jahre?


Franz-Josef Medam:
Ja und Nein! Ja, weil der Markt jetzt ein Geschäft des Standards geworden ist. Digital ist in der Kommunikation und in der Werbung der neue Maßstab und dieser Markt wird immer größer.Nein, weil die großen Ausschreibungen, die in der Vergangenheit lukrativ waren, heute zu so schlechten Konditionen vergeben werden, dass es für Spezialisten schwer ist, diese Projekte wirtschaftlich zu stemmen und umzusetzen. Hier liegt das Standardgeschäft bei großen IT-Systemhäusern, zusammen mit uns, Cittadino als Spezialisten und Zulieferer.

CRN: Wie groß ist mittlerweile die Konkurrenz im Bereich der Integratoren? Gibt es hier Platz für Neueinsteiger oder decken die etablierten Unternehmen die Nachfrage ab?

Medam: Neueinsteiger sollten die Finger davon lassen! IT-Häuser mit Kraft Stärke im Markt sind uns willkommen. Digital Signage ist kein Neuland, welches es zu entdecken gibt. Es ist mittlerweile ein Geschäft für Profis mit professionellen Kunden.

CRN: Werden auch neue Branchen auf Digital Signage aufmerksam, die vorher kein Interesse oder keine Kenntnis der Möglichkeiten hatten?

Medam: Dort wo analog aufhört, fängt Digital Signage an. Hier spielt vor allen Dingen, die in den letzten Jahren deutlich bessere gewordene Kosten-Nutzen-Rechnung in DS Lösungen eine tragende Rolle.

CRN: Derzeit setzen immer mehr Distributoren auf komplette Digital Signage-Lösungen inkl. Streaming. Sehen Sie hier eine wachsende Konkurrenz für Fachhändler und Agenturen?

Medam: Wir sind gemeinsam mit den Distributoren zusammen auf einem Weg. Die Lösung selbst kommt aber durch das IT-Systemhaus. Wenn die Distributoren Lösungen an den Endkunden verkaufen will, dann kauft das Systemhaus direkt beim Hersteller – oder noch schlimmer: bei Amazon mit 20-tägigem Rückgaberecht…

CRN: Nimmt die Komplexität der Projekte zu oder ist die Technik einfacher geworden?

Medam: Im Prinzip ist es einfacher geworden. Cittadino ist mit über 20 jähriger Expertise in mit DS und interaktiven Systemen für jedes IT- Systemhaus der ideale Partner. Die Projektumsetzung ist durch gute, strategische Partnerschaften wesentlich effizienter geworden.

CRN: Wie sieht das durchschnittliche Signage-Projekt aus? Von welcher Größenordnung sprechen wir hier?

Medam: Ein durchschnittliches Projekt hat eine Größenordnung von etwa 100-200 Systemen, mit je ein bis zwei Displays mit einer durchschnittlichen Diagonale von 42 Zoll je Standort.

Bei Cittadino hat der Kunde den Vorteil, dass er das Gesamtpaket aus einer Hand bekommt. Für ein führendes Unternehmen der Touristikbranche haben wir ein schlüsselfertiges Projekt konzipiert, entwickelt und umgesetzt. Durch die langjährige Zusammenarbeit haben wir das System in den letzten Jahren nicht nur auf fast 300 Systeme erweitert und refurbished, wir haben gemeinsam mit dem Kunden einzelne Reisebüros mit interaktiven Systemen mit Echtzeitaktualisierung der Reiseangebote ausgestattet. Für 2015 ist ein weiterer Ausbau um 100-200 Systeme geplant.

CRN: Kommt es bei Digital Signage heutzutage mehr auf das IT- oder das AV-Know-how an? Was müssen Integratoren mitbringen?

Medam: IT & AV Wissen hilft. Das wichtige Thema sind aber vor allem die Kommunikation und Strategie zum Kunden & Betrachter. IT und/oder AV hat keine Grenze mehr. Grundsätzlich muss eine performante und sichere Plattform aufgebaut und gemanagt werden. Doch wenn das Digital Signage System nicht mit aufmerksamkeitsstarken Inhalten belebt wird, ist das Projekt von vornherein zum Scheitern verurteilt.