Ryan Hood im CRN-Gespräch: »Rechtliche Situation im Online-Handel alles andere als klar«

CRN sprach mit Ryan Hood, Geschäftsführer von Hood Media und Betreiber des Online-Auktionshauses »Hood.de« über die Folgen von Amazons Ankündigung für die laufende Klage gegen den Etailer sowie für den Online-Handel in Deutschland.

Ryan Hood bleibt trotz der jüngsten Zusagen seitens Amazons skeptisch (Bild: Hood Media)

CRN: Herr Hood, wie bewerten Sie das Zugeständnis seitens Amazons gegenüber dem Bundeskartellamt, Abstand von der Preisparität nehmen zu wollen?

Hood: Die Mitteilung des Bundeskartellamts freut uns zunächst und wir werten dies als ersten Teilerfolg. Darüber hinaus liegen uns jedoch aktuell keine weiteren Informationen vor. Zum aktuellen Zeitpunkt hat deshalb die Meldung an sich noch keinen unmittelbaren Einfluss auf das von uns gegen Amazon geführte Verfahren. Auch das Bundeskartellamt hat in seiner Mitteilung betont, dass Amazon "beabsichtigt", die Preisparitätsklauseln nicht mehr durchzusetzen, die Maßnahmen jedoch noch der Prüfung durch das Amt bedürfen. Auch die generellen Teilnahmebedingungen des Amazon Marketplace scheinen zum aktuellen Zeitpunkt unverändert, weshalb die aktuelle Entwicklung hier noch abzuwarten bleibt.

CRN: Inwieweit sehen Sie eine Verbesserung der Bedingungen für Online-Händler in Deutschland durch die neuesten Entwicklungen?

Hood: Insofern Amazon, wie von uns gefordert, die Preisparitätsklauseln ersatzlos streichen sollte, so wäre dies nicht nur ein Erfolg für unsere Klage sondern auch die Bedeutung für den gesamten europäischen Internethandel immens. Insofern begrüßen wir die aktuellen Entwicklungen sehr, sind sie doch ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung. Zum Zeitpunkt unserer Klage im letzten Jahr war von einem Kartellamtsverfahren gegen Amazon noch nicht die Rede - kein Jahr später nun ist ein deutliches Zeichen erkennbar. Wir sehen das als ersten, deutlichen Erfolg unserer Klage.

CRN: Was muss in Ihren Augen in Zukunft – vor allem seitens der Gesetzgebung und Politik – noch getan werden, um Online-Händlern gute Rahmenbedingungen auf dem deutschen Markt zu gewährleisten?

Hood: In vielen Bereichen ist die rechtliche Situation im Onlinehandel weiterhin alles andere klar. Hier werden auch in Zukunft noch viele Verfahren angestrengt werden müssen. Viele, besonders kleinere, Onlinehändler sind mit der schieren Masse an gesetzlichen Vorschriften und Unklarheiten überfordert und laufen zumeist unbeabsichtigt in die Abmahnfalle. Hier ist vor allem die Gesetzgebung gefordert, indem Sie klare Verhältnisse für alle Parteien schafft.