Industrie als Zukunftsmarkt: WLAN erobert Unternehmensnetzwerke

Der neue WLAN-Standard 802.11n wird wohl nicht vor Ende nächsten Jahres verabschiedet werden. Den Markt für Unternehmens-WLANs bringt er dennoch schon gehörig in Bewegung: Produkte, die auf dem vorläufigen Standard beruhen, befinden sich auf einem rasanten Wachstumskurs.

Vom Sofa aus im Internet zu surfen ist für viele Konsumenten längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Auch bei der Datenübertragung im Heimnetzwerk verzichten viele Privatnutzer längst auf Kabel. In Unternehmen dagegen stieß Wireless LAN wegen mangelnder Zuverlässigkeit und Security- Risiken lange auf Widerstand.

Inzwischen jedoch sind WLANs dank höherer Bandbreiten und verbesserter Sicherheitsstandards auch im professionellen Umfeld angekommen. Dieser Trend dürfte sich in den kommenden Jahren noch weiter verstärken. Die Marktforscher von In-Stat gehen davon aus, dass die Verbreitung von WLAN-fähigen Geräten schneller zunehmen wird als bisher und im Jahr 2012 weltweit bereits eine Milliarde entsprechend ausgestatteter Systeme verkauft werden.

Unter den Netzwerkherstellern gewinnt das Geschäft mit WLAN-Lösungen deswegen immer mehr an Bedeutung. Letzter Coup in der Branche: Die HP-Tochter Procurve hat im Oktober den Wireless- Spezialisten Colubris Networks übernommen und mit dessen WLAN-Lösungen ihr eigenes Portfolio aufgewertet.

Neben klassischen Anwendungen in Innenräumen werden WLAN-Produkte zunehmend auch im Outdoor-Bereich eingesetzt. Den noch relativ jungen Markt adressieren etwa Lancom, Funkwerk und Cisco mit Wireless Access Points, denen weder Hitze noch Kälte etwa anhaben können. »Viele Kunden entdecken erst langsam, was mit WLAN im Outdoor-Bereich alles möglich wird«, sagt Frank Janssen, WLAN-Produktmanager bei Lancom. Typisches Einsatz- Szenario für Outdoor-WLAN ist etwa die Vernetzung von mehreren Standorten. »WLANs zu installieren kostet weniger als verkabelte LANs. Deswegen sind sie gerade in kleinen Niederlassungen, wo die meisten Mitarbeiter Laptops verwenden, kosteneffizienter als andere Netzwerklösungen«, sagt Roger Hockaday, Director Marketing EMEA bei Aruba Networks.

Einen Schub verleiht dem Markt zurzeit vor allem der neue WLAN-Standard 802.11n des »Institute of Electrical and Electronics Engineers« (IEEE). Probleme wie fehlende Reichweite oder mangelnde Performance gehören mit dem neuen NStandard der Vergangenheit an, denn er ist deutlich leistungsfähiger als die Vorgängerstandards 802.11 a/b/g.

Auch wenn die Mehrheit der Kunden derzeit noch Produkte nach den alten Standards installiert, befinden sich 802.11n-Geräte auf einem rasanten Wachstumskurs. Einer Studie des Marktforschungsunternehmens Dell’Oro zufolge lag der Anteil von 802.11n-basierten Geräten am Gesamtmarkt für ausgelieferte WLAN-Unternehmensprodukte in der ersten Jahreshälfte 2008 bei acht Prozent. Für die zweite Hälfte dieses Jahres erwarten die Marktforscher von Dell’Oro einen Anstieg auf 18 Prozent. Bis zum Jahr 2012 soll der Anteil nach Dell’Oro bereits 30 Prozent betragen. Tatsächlich sprechen einige gute Gründe dafür, auf den neuen Standard zu setzen.

Dank der Mimo-Technologie (Multiple Input – Multiple Output) ermöglicht er – zumindest in der Theorie – Datenraten von bis zu 300 Mbit/s. Im praktischen Einsatz lassen sich immerhin noch Geschwindigkeiten von 100 bis 150 Mbit/s erreichen. Der Standard 802.11g erreicht dagegen nur Datenraten von brutto 45 MBit/s. Damit wird auch die Übertragung von bandbreitenintensiven Unternehmensapplikationen möglich. »Wenn große Datenmengen übertragen werden mussten, gab es bisher Zurückhaltung«, sagt Frank Janssen von Lancom. »Jetzt kommen die Nutzer ins Boot, denen WLAN bisher nicht genug Bandbereite geboten hat.«