Gaming als Strafmaßnahme: China zwingt Häftlinge zum Online-Gaming

Die britische Zeitung Guardian hat eine menschenverachtende Methode aufgedeckt, mit der chinesische Gefängnisse ihre Einnahmen aufbessern: Die Gefangenen müssen in Onlinespielen virtuelles Gold schürfen und Charaktere zum Verkauf auf bestimmte Level trainieren.

Nach einem Bericht des Guardian werden chinesische Häftlinge zum virtuellen Goldgräberdienst gezwungen.

Gerade in ärmeren Ländern gibt es immer mehr Menschen, die sich ein mehr oder weniger lukratives Zubrot mit Onlinespielen verdienen. Dazu legen sie zumeist neue Charaktere in Spielen wie World of Warcraft oder Eve Online an, mit denen Sie dann ingame Geld verdienen, dass sie später – wenn auch meist illegal – über Onlineplattformen wieder an andere Spieler verkaufen. Nach einigen Monaten wirft dann auch der inzwischen wohl trainierte Charakter noch einmal ein erkleckliches Sümmchen von bis zu einigen hundert Euro ab. Rund eine halbe Milliarde solcher Goldschürfer gibt es nach einer Studie der Universität Manchester etwa, der Löwenanteil von ihnen sitzt in China. Weltweit werden damit über drei Milliarden Dollar (2,1 Mrd. Euro) pro Jahr umgesetzt.

Dieses Prinzip des virtuellen Goldschürfens machen sich nun offenbar zunehmend auch chinesische Strafgefängnisse in menschenverachtender Weise zu Nutze, wie die britische Zeitung Guardian dank der drastischen Schilderungen eines Insiders aufgedeckt hat. Wenn die Häftlinge ihr Tageswerk in den Gefängniswerkstätten vollbracht haben, wo sie etwa Zahnstocher und Essstäbchen zum Verkauf herstellen, müssen sie abends noch zu virtuellen Strafdiensten antreten und für die Gefängnisdirektion Rollenspiel-Charaktere samt ihres Goldschatzes aufwerten.

»Die Gefängnisbosse verdienen mehr Geld, indem sie die Häftlinge zum Onlinespielen zwingen, als durch die manuelle Zwangsarbeit im Lager«, bestätigt der frühere Wärter Liu Dali, der bereits selbst drei Jahre Strafarbeit abgeleistet hat, nachdem er sich bei höheren Stellen über Korruptionsfälle in der lokalen Politik beschwert hatte. Dalis Schilderungen zeigen eindringlich, dass die »Gaming-Straflager« alles andere als lustig oder gar eine willkommene Ablenkung für die Gefangenen sind: »Nach der Arbeit mussten wir spielen, bis unsere Augen fast nichts mehr erkennen konnten. Hatten wir die vorgegebenen Quoten nicht erfüllt, schlugen uns die Wärter anschließend in den Zellen mit Plastikrohren zusammen.«

Wenn Spielen krankhaft wird - die irren IT-Setups der Goldfarmer: