Steigende Kapazitäten, sinkende Bedeutung: Die Festplatte feiert 60. Geburtstag

In diesem Jahr feiert die Festplatte ihren 60. Geburtstag. Was 1956 als tonnenschweres Monstrum mit 5 MByte Speicherkapazität begann, war lange das dominierende Massenspeichermedium, muss sich aber seit einigen Jahren zunehmender Konkurrenz durch schnelle Flash-Speicher erwehren.

Die IBM 350 Disk Storage Unit von 1956

1956 brachte IBM die erste Festplatte auf den Markt. Sie steckte in einem schrankgroßen Gehäuse und wog eine Tonne. In ihr rotierten 50 Aluminiumplatten mit einem Durchmesser von 61 Zentimetern mit 1.200 Umdrehungen pro Minute. Das Monster fasste 5 MByte und war als Massenspeicher für den »IBM 305 RAMAC« gedacht. Kaufen konnte man sie nicht – nur mieten.

Am grundlegenden Aufbau – rotierende Scheiben mit einem magnetisierbaren Material, über die sich Schreib-Lese-Köpfe bewegen – hat sich seitdem nichts geändert, wohl aber an Größe, Performance und Kapazität. Mit den Jahren wurden die Platten kleiner, schneller und fassten mehr Daten. 1981 kam die erste Platte im 5,25 Zoll-Format auf den Markt; auf ihre konnten 10 MByte gespeichert werden. Nur zwei Jahre später brachte man diese Datenmenge bereits auf einer 3,5 Zoll-Platte unter.

Die Datenscheiben in der ersten IBM-Festplatte und die Schreib-Lese-Köpfe

Aktuelle Festplatten bringen es auf bis zu 10 TByte. Ihr Problem ist mittlerweile aber, dass es oft nicht mehr darum geht, möglichst viele Daten irgendwo abzulegen, sondern diese schnell bereitzustellen. Zwar gibt es längst leistungsstarke Platten, die mit 15.000 Umdrehungen arbeiten, doch höhere Geschwindigkeiten sind kaum noch wirtschaftlich, da Stromverbrauch und Hitzeentwicklung steigen.

Flash-Speicher sind daher aktuell dabei, Festplatten den Rang abzulaufen. Sie sind nicht nur kompakter und bieten eine höhere Performance, sondern haben auch einen niedrigeren Energieverbrauch und produzieren weniger Wärme. Zudem sind sie deutlich unempfindlicher, was Beschädigungen angeht, da sie auf bewegliche Teile verzichten.

Mechanische Einwirkungen wie Erschütterungen, Stöße oder Stürze sind laut Jan Bindig vom Leipziger Datenrettungsspezialisten DataRecovery für über 70 Prozent aller Schäden an Festplatten verantwortlich. Daneben würden auch große Temperaturdifferenzen, Überspannungen oder Flüssigkeiten den Laufwerken zu schaffen machen und für Datenverluste sorgen.

So kommt es denn, dass sich die Festplatte in ihrem 60. Jahr massiver Konkurrenz erwehren muss. Rechner und Notebooks werden kaum noch ohne SSDs verkauft und auch in professionellen Storage-Systemen stecken immer häufiger SSDs, oft sogar ausschließlich. Die Flash-Speicher sind in den vergangenen Jahren günstiger geworden und stechen die Festplatte bei den Betriebskosten aus, da sie weniger Platz, Strom und Kühlung benötigen. Zudem sind sie mittlerweile deutlich zuverlässiger, da die Hersteller die Schreibzugriffe gleichmäßig verteilen und Ersatzspeicherzellen vorhalten, falls Speicherzellen ausfallen.

Einen Vorteil haben Festplatten aber für den Normalnutzer, wenn es um Ausfälle geht: Meist kündigt sich das Versagen durch Klack- oder Kratzgeräusche an, während eine SSD ohne wahrnehmbare Anzeichen den Betrieb einstellt. »Festplatten sind nach wie vor mit über 50 Prozent die am häufigsten angefragten Speichermedien, wenn es um die Datenrettung von digitalen Datenträgern geht«, sagt Bindig.

Trotz des Siegeszuges von SSDs sind Abgesänge auf die Festplatte verfrüht. Die Kapazitäten werden weiter steigen, die Anschaffungskosten pro GByte weiter sinken. Allerdings sind sich die Experten einige, dass sich die Nutzung verändert wird und Festplatten seltener als Primärspeicher zum Einsatz kommen.