Interview mit Frank Witte von Computacenter: »5G wird Wifi 6 nicht überflüssig machen«

Im Interview mit CRN erklärt der Netzwerkexperte Frank Witte von Computacenter, wie die Einführung von Wifi 6 das WLAN verändern wird und warum der neue Mobilfunkstandard 5G nicht das Ende von Wifi einläuten wird.

Frank Witte, Head of Networking Strategy, Group Strategy and Portfolio, bei Computacenter
(Foto: Computacenter)

CRN: Herr Witte, was sind die wichtigsten Vorteile von Wifi 6 im Vergleich mit Wifi 5?

Frank Witte: Zunächst einmal ist die höhere Geschwindigkeit von theoretisch über 5 Gigabit pro Sekunde im 5Ghz Frequenzbereich ein deutlicher Vorteil des neuen Standards 802.11ax. Anwender werden aber auch eine geringere Latenzzeit und damit ein besseres Antwortzeitverhalten spüren, da Wifi 6 nun auf dem effizienteren Frequenz-Zugriffsverfahren OFDMA basiert, das auch von 5G verwendet wird. Da die Anzahl über WLAN verbundener Geräte immer weiter zunimmt, sind die gleichzeitige Übertragung von Daten an mehrere Clients und die Sicherheit hierbei wichtige Aspekte.

Zusammen mit der Verbesserung der Frequenznutzung durch Multi-User nun in beide Richtungen, der steuerbaren Ausrichtung gleichzeitiger Datenströme, Einführung von WPA3-Verschlüsselung sowie dem neuen Power Management Target Wake Time werden insbesondere neue Geräte und Anwendungen aus dem Bereich IoT besser unterstützt. In Summe erwarten wir durch Wifi 6 ein deutlich besseres Gesamterlebnis gegenüber früheren Wifi-Standards.

CRN: Zu welchem Zeitpunkt dürften sich Wifi-6-Produkte Ihrer Einschätzung nach zum Massenmarkt entwickeln?

Witte: Wifi 6 befindet sich aktuell noch in der Standardisierungsphase, mit der Verabschiedung wird frühestens Ende des Jahres 2019 gerechnet. Die aktuell auf den Markt gebrachten Geräte entsprechen somit einem Pre-Standard und sollen laut Herstellerankündigungen durch entsprechende Firmware-Updates Wifi6-ready werden. Da die neue Technologie jedoch einige Vorteile für neue Einsatzmöglichkeiten bietet, sollten Unternehmen dieses bei Planung und Proof of Concepts frühzeitig berücksichtigen. Wie bei jeder anderen neuen Technologie wird auch Wifi 6 die typischen Markteinführungszyklen der Innovator- und Early-Adopter-Kunden in 2019 und 2020 durchlaufen.

Da parallel auch die Markteinführung von 5G stattfindet, entsteht ein Wettbewerb für den Einsatz im Enterprise-Umfeld. Deshalb rechnen wir damit, dass sehr schnell Wifi-6-Produkte für den Massenmarkt verfügbar sein werden, sobald der Standard offiziell verabschiedet ist – voraussichtlich Anfang 2020.

CRN: Steigt durch Wifi 6 auch die Komplexität von WLANs?

Witte: Aus technologischer Sicht ist Wifi 6 komplexer als Wifi 5, da es eine Vielzahl neuer Funktionen und unterschiedlicher Technologien vereint. Doch diese Komplexität sollte dem Anwender und Systemintegrator durch eine professionelle Produktlösung weitestgehend verborgen bleiben. Es sei denn, es kommt zu Störungen und es wird eine Fehleranalyse notwendig, dann sind umfangreiches Technologie-Knowhow und Praxiserfahrung gefragt.

Aus der Sicht eines Systemintegrators erwarten wir eine handhabbare Komplexität, denn grundsätzlich achten die Hersteller sehr stark darauf, dass ihre Produkte gut zu integrieren sind. Dennoch müssen Wifi-6-Produkte sowie deren neue Funktionen und Technologien verstanden und sinnvoll in ein Lösungsdesign integriert werden. Da Funktechnologien ihre eigenen Gesetze haben, kann es auch mit Wifi 6 in der Praxis schon einmal komplex werden. Daher empfehlen wir unseren Kunden, vor der Realisierung ein entsprechendes Proof of Concept durchzuführen, um sich mit der Systemumgebung vertraut zu machen. Wir unterstützen unsere Kunden hier mit entsprechenden Spezialisten. Wenn Wifi 6 dann richtig implementiert ist, wird die Komplexität für den Anwender gefühlt geringer ausfallen, da Handhabung und User Experience als deutlich angenehmer empfunden werden.

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Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von Typischer_Industriekunde , 06:40 Uhr

Was für ein nutzenfreies Geschwurbel!

Lesenswert ist allein der letzte Absatz. Und ja, genau, der Nutzen für den Anwender ist entscheidend

xG-Mobilfunk und rein private Wlan x.0-Netze basieren (immer noch!) auf völlig unterschiedlichen Geschäftsmodellen und haben daher zwangsweise unterschiedliche Zielgruppen. Die viel wesentlicheren Fragen für die Nutzer bleiben in dem Interview leider offen:

Was gibt es jeweils in der neuen Generation an neuen Features und was ist deren spezifischer Kundennutzen? Und: Rentiert sich damit ein Umstieg überhaupt?

Für wen? Wer braucht das wirklich und rentiert sich der Mehrpreis gegenüber der bisherigen Lösung? Ist ein sinnvoller Hybrid-Betrieb mit der Vorgängergeneration möglich oder sollten dann gleich alle Endgeräte ausgetauscht werden? etc pp.

DAS interessiert die Leute und nicht ob Bahnfahren oder Autofahren besser ist. Beides transportiert Leute und Fracht und das wars dann für viele auch schon mit den Gemeinsamkeiten.

Es ist schon klar, dass Distis und Systemintegratoren davon davon leben, dass neues verkauft wird, aber hier sollte der Kundennutzen im Vordergrund stehen und nicht altbekannte, allgemeingültige Phrasen. Leider ist der in dem Interview für mich und wohl auch viele andere Leser nicht erkennbar. Schade, das kann die CRN doch besser!