Mehr IP-Adressen als der Sand: Das Henne-Ei-Problem von IPv6

Dem Internet droht eine drastische Verknappung von IPv4-Adressen. IPv6 ist nicht nur deswegen die Lösung. Doch die Umsetzung erfolgt zögerlich. Dabei wird vermutlich eine lange Übergangszeit zwischen den beiden Protokollen geben.

Eigentlich ist theoretisch alles klar. Die Adressverknappung bei IPv4 macht einen Umstieg auf IPv6 unvermeidlich. Neue Konzepte wie eine intelligente Gebäudesteuerung oder die Kommunikation zwischen Autos sind erst mit IPv6 wirklich denkbar. Zudem ist IPv6 sicher als IPv4, da es IPsec als Schutz gleich mitbringt. Außerdem macht die unglaublich hohe Anzahl von 340 Sextillionen an IPv6-Adressen, das Scannen von Adress-Bereichen für Angriffe unattraktiv. Das Hasso Plattner Institut der Universität Potsdam und der Deutsche IPv6-Rat beobachten allerdings, dass der Druck zur Umstellung auf dem Markt noch nicht so hoch ist. Für sie ist der Wechsel ein Henne-Ei-Problem: »Die Provider warten auf Nachfrage und die Anwender auf die Killer-Applikation.«

Mit IPv6 löst sich die Adressenknappheit: Es gibt sie dann so zahlreich wie den Sand. (Quelle: Fotolia, Sylvaine Thomas)

Für das Institut gehören Unternehmen mit sehr großen Netzen zu den ersten Kandidaten, die auf IPv6 umstellen. Dies wird dann der Fall sein, wenn der verwendete private IPv4-Adressenraum nicht mehr ausreicht. Wollen Provider jedem ihrer Kunden eine eigene Adresse geben, dann geht dies auch nur über IPv6. Hinzu kommen Anwender, die im Internet mit einer festen Adresse erreichbar sein wollen.

Großes Engagement in Sachen IPv6 zeigt der Bund. Er hat für die Bundesbehörden einen IPv6-Adressenraum mit 270 Milliarden Subnetzen erhalten. Bei den Providern ist es etwa Strato - jetzt ein Telekom-Unternehmen, das IPv6 anbietet.

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