Experten schlagen Alarm: Hersteller kooperieren zu wenig bei SSD-Datenrettung

Der berüchtigte Headcrash magnetischer Festplatten kann einer SSD zwar nicht zustoßen, doch auch die Halbleiterlaufwerke haben Ausfallrisiken, wie die Beschädigung der Leiterplatte oder Fehler im Steuerchip. Für Datenretter ist ihre Arbeit schwierig, denn bei den Herstellern herrscht offenbar zu wenig Kooperationsbereitschaft.

Die Datenrettung bei SSDs ist mitunter aufwendig (Foto: Elke von Rekowski).

Die schwierigen feinmechanischen Rekonstruktionsarbeiten im Reinraumlabor, die Festplattendatenrettung teuer macht, fallen bei SSDs zwar weg, trotzdem ist Datenrettung hier sehr aufwändig. Ein Hauptgrund sind die sogenannten Wear-Leveling-Algorithmen. Der Controller der SSD verteilt hierbei die Schreibvorgänge dermaßen, dass alle Speicherzellen, die sich mit der Zeit abnutzen, etwa gleich häufig beschrieben werden. Das Ergebnis: Die Bits und Bytes, die zu einer Datei gehören, sind auf mehreren Chips verstreut abgelegt. Der Aufwand bei der logischen Rekonstruktion von Dateien aus Fragmenten ist vergleichbar mit der Rekonstruktion eines zerstörten RAID-Servers.

»Mit großem Forschungsaufwand bis hin im Reverse Engineering der verwendeten Algorithmen der im Markt erhältlichen Controller verfeinern wir die Rettungsmethoden«, sagt Conrad Heinicke, Projektmanager bei CBL Datenrettung in Kaiserslautern. »Das ist nötig, weil die Hersteller der Halbleiterlaufwerke beziehungsweise der verwendeten Chips Informationen, die man zur Datenrettung bräuchte, leider nicht aus der Hand geben. Mit der Hardwareverschlüsselung der Sandforce-Controller gibt es derzeit sogar Fälle, in denen wir, genau wie unsere Mitbewerber, machtlos sind.«

Die Sandforce-Chipsätze der Serien SF-1500 und SF-2000, insbesondere der SF-2281 sind laut CBL dafür berüchtigt, mit ihrer Hardware-Verschlüsselung Probleme zu verursachen. Besonders bedenklich aus Sicht der Datenrettungsbranche: Offensichtlich werden hier die Daten auch verschlüsselt, wenn der Benutzer kein Passwort setzt.

»Jeder Datenverlustfall ist einzigartig, deshalb sollte man eine beschädigte SSD in jedem Fall zur kostenlosen Diagnose schicken, wenn man die Hoffnung auf die Rekonstruktion seiner Daten nicht vorzeitig aufgeben will«, so Heinicke. Die Analyse ist für den Kunden kostenlos und im Juni und Juli 2013 gibt CBL Datenrettung zehn Prozent Rabatt auf die Kosten einer Datenrettung von einer SSD.