Vereint gegen Online-Kriminalität: EU-Projekt »Titanium« startet in Praxisphase

Mit einer eigens entwickelten Software jagen Forschungseinrichtungen, IT-Unternehmen und Polizeibehörden aus ganz Europa ab sofort gemeinsam Cyberkriminelle im Darknet.

Das EU-Projekt »Titanium« zur Bekämpfung von Kriminalität im Darknet hat am Donnerstag seine Praxisphase eingeläutet. Über mehrere Monate wollen die Spezialisten aus 15 Forschungseinrichtungen, IT-Unternehmen und Polizeibehörden aktiv illegalen Cyberaktivitäten nachspüren. Dafür nehmen die Ermittler speziell kriminelle Handelsströme über Kryptowährungen ins Visier.

Währungen wie Bitcoin, ZCash oder Monero ermöglichen einen von Banken unabhängigen Handel. Die Währung wird über aufwendige Verfahren am Computer generiert und gilt als weitgehend anonymes Zahlungsmittel.

Mit Hilfe von Software aus eigener Entwicklung wollen die Sicherheitsexperten gerichtsfestes Beweismaterial aufspüren. Dabei habe das Projekt besonderes Augenmerk auf die Einhaltung von rechtlichen und ethischen Vorgaben gelegt, heißt es. Datenschutzaspekte seien schon bei der Grundkonzeption der Software bedacht worden, sagte Franziska Boehm, Leiterin des Zentrums für Angewandte Rechtswissenschaft (ZAR) des Karlsruher Instituts für Technologie KIT.

Das Darknet - ein Teil des Internet, in dem Nutzer sich weitgehend anonym austauschen können, gilt zwar als beliebter Ort etwa für Waffen- und Drogenhandel. Er bietet allerdings auch Nutzern in repressiven Ländern Schutz, die eine Plattform für den sicheren Austausch suchen. Da die Verarbeitung von Darknet-Daten regelmäßig einen Eingriff in die Grundrechte der Betroffenen darstelle, sei es entscheidend, dass dies nur in begründeten Fällen und auf Basis einer Rechtsgrundlage erfolge, erläuterte Projekt-Koordinator am KIT, Thilo Gottschalk.

Das europäische Projekt war im Mai 2017 an den Start gegangen. Es wird vom Austrian Institute of Technology (AIT) koordiniert. Aus Deutschland sind das Bundeskriminalamt, das KIT und die dence GmbH aus Dresden mit dabei. Ab Donnerstag soll die von dem Projekt entwickelte Software den Polizeibehörden in Deutschland, Finnland, Österreich und Spanien zu Testzwecken zur Verfügung stehen.