Ein Jahr Datenschutzgrundverordnung: EU feiert Erfolgsmodell DSGVO

Die DSGVO zeigt Wirkung und stärkt das Bewusstsein für den Datenschutz - davon ist EU-Kommissarin Vera Jourová überzeugt. Doch es gibt immer noch kritische Stimmen aus der Wirtschaft. Eines würde Ex-Kommissarin Viviane Reding zumindest heute anders machen.

(Foto: DOC RABE Media - AdobeStock)

Ein Jahr nach Inkrafttreten der neuen EU-Datenschutzregeln haben zwei von drei EU-Bürgern (67 Prozent) schon mal von der Datenschutzgrundverordnung gehört. Fast ebenso viele (57 Prozent) wissen, dass es in ihrem Land eine Behörde gibt, die für den Schutz ihrer persönlichen Daten zuständig ist. Im Vergleich zu 2015 ist das ein Anstieg um 20 Prozentpunkten, wie die EU-Kommission am Mittwoch unter Berufung auf eine Eurobarometer-Umfrage mitteilte. »Die Menschen werden sich immer bewusster - und das ist ermutigend«, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme von EU-Justizkommissarin Vera Jourová und dem für den digitalen Binnenmarkt zuständigen Kommissar Andrus Ansip.

Unterdessen bekräftigen Unternehmen und Verbände weiter ihre Kritikpunkte. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) veröffentlichte am Mittwoch die Ergebnisse einer aktuellen Mitgliederbefragung. Demnach seien die negativen Auswirkungen der DSGVO bei den Unternehmen deutlich spürbar. So rechneten 39 Prozent der Digitalexperten in den 237 Mitgliedsunternehmen mit Umsatzeinbußen. 32 Prozent haben demnach ihre digitalen Aktivitäten eingeschränkt. BVDW-Vizepräsident Thomas Duhr macht als Ursachen dafür die »massive Rechtsunsicherheit« aus. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen hätten mit der Umsetzung zu kämpfen, betonte erst kürzlich der Digitalverband Bitkom.

Viele Unternehmen hätten jetzt ihre Hausaufgaben, »eine Art Frühjahrsputz« gemacht, betonte dagegen Tine Larsen, Leiterin der Datenschutzbehörde in Luxemburg. »Es überrascht mich, wenn sich Unternehmen jetzt beklagen, denn Datenschutz und Datensicherheit sind nicht erst mit der DSGVO geschaffen worden.« Die Prinzipien seien die gleichen wie zuvor. »Eigentlich hätten sich die Firmen schon vor vielen Jahren darum kümmern müssen.«

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Kommentare (4) Alle Kommentare

Antwort von Youtube-Gucker , 18:53 Uhr

Wo ist eigentlich das Recherchenetzwerk aus CRN, Channel-Partner und bitkom das im Stile eines "Rezo ja lol ey" mit Fakten, Fakten, Fakten dem Chaos der Politik endlich mal politischen Ungehorsam praktiziert? Diese Perwoll- gewaschenen Beiträge unterstreichen nur ein politisches Jammern auf hohem Niveau und haben mit der populistischen Parallel-Gesellschaft Realität nichts, aber rein gar nichts, zu tun. Wo ist CRN- for-Future?

Antwort von Tom27 , 07:41 Uhr

Noch immer sind aufgrund der DSGVO zahlreiche Internetseiten aus dem Ausland innerhalb der EU nicht mehr abrufbar, weil kleinere Nachrichtenmagazine z.B. im Bereich der Musik den Aufwand scheuen. Was also gibt es hier zu "feiern"? Etwa dass bei jedem Seitenaufruf inzwischen ein Popup-Fenster erscheint, das jeder Besuchern blindlinks bestätigt und dabei oft sogar noch mehr Tracking-Optionen aktiv akzeptiert? Jourová und Co. sollten mindestens ein Jahr lang ihre Vorgaben selbst implementieren müssen, dann würde sich so manches ändern.

Antwort von Herbi-13 , 06:17 Uhr

Was hat die DSGVO mit Datenschutz zu tun? Die kleinen Firmen müssen einen riesen Aufwand treiben für Daten, die viele in Sozialen Netzen munter verteilen. Die Großen Firmen sammeln mit juristischen Tricks Ihre Daten weiter. In vielen Fällen muss man heute auf der Internetseite eine Zustimmung geben, die kein Mensch liest, und in der auch drin stehen könnte, dass man soeben einen rosaroten Teddybär für 25.000 € gekauft hat - es würde keiner merken! Es ist auch weltfremd, wenn man glaubt, dass ich täglich mehrere Datenschutz-Zustimmungen lesen würde bevor ich meine Arbeit erledigen kann. Ich bin auch kein Jurist um die vielen Dinge, denen ich zustimmen muss, um eine Internetseite aufrufen zu können, beurteilen zu können. Tausende von meist kleinen Firmen mussten Datenschutzhinweise in ihre Internetseiten einbauen, obwohl sie überhaupt keine personenbezogenen Daten erfassen, geschweige noch auswerten. Die großen Firmen werten aber weiterhin Browserverläufe aus und sammeln Hintergrundinformationen um sie dann auszuwerten und zu verkaufen. Datenschutz ist wichtig, aber der Name, die Telefonnummer und die Adresse standen früher in jedem Telefonbuch und man musste es umständlich begründen wenn man nicht im Telefonbuch stehen wollte. Diese Minimalinformationen benötige ich aber z.B. wenn ein Kunde ein Angebot von mir haben möchte. Und so gibt es noch viele Beispiele mehr wo der Datenschutz übertrieben ist!

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Antwort von Kundendienst , 11:23 Uhr

1. Was hat die DSGVO mit Datenschutz zu tun?

- Die Erklärung wird Sie vermutlich überraschen. Bitte halten Sie sich jetzt ganz doll irgendwo fest! Die Abkürzung DS-GVO bedeutet "Datenschutz-Grundverordnung" und schützt u.a. die Grundrechte und Grundfreiheiten natürlicher Personen insbesondere deren Recht auf Schutz ihrer personenbezogener Daten. Man spricht auch von informeller Selbstbestimmung. Auch Sie haben im Übrigen dieses Recht zugesprochen bekommen.

2. Ihr Problem, wenn Sie die die Datenschutzerklärungen (DSE) nicht lesen. Kaufen Sie etwa einen neuen PKW und lesen sich den Kaufvertrag nicht durch? Im Übrigen können Sie aus einer DSE keinen Kaufvertrag machen. Ihr Argument mit dem Teddybär ist somit sinnlos.

3. Auch eine IP Adresse fällt unter personenbezogene Daten. Oft ist es die Kombination aus verschiedenen Faktoren worüber Sie im Internet zu identifizieren sind. Alleine aufgrund der Server-Log Files ist es nötig eine DSE zu erstellen. Ob Sie nun Cookies verwenden oder nicht spielt keine Rolle.

Und..oh ja, die bösen großen Firmen…Die kleinen Firmen handeln ja immer korrekt ;-)

4. Ja früher, war doch eh immer alles besser, oder? Wenn Ihnen der Kunde im Rahmen Ihrer Geschäftsabwicklung seine Kontaktdaten gibt ist das doch legitim. Er gibt sie Ihnen doch freiwillig, oder? Sie benötigen diese doch sogar um ihr Angebot zusenden zu können. Das verhindert auch die DSGVO nicht.