Die Bewertungs-Mafia: Hersteller kaufen Kunden-Bewertungen

Da im Etail die direkte Beratung durch Fachleute fehlt, vertrauen Viele auf Kundenbewertungen. Gerade bei Shops wie Amazon oder Notebooksbilliger.de verkaufen sich vor allem jene Produkte gut, die gute Noten durch die Kunden erhalten haben. Doch sollte man sich nicht zu sehr auf die Bewertungen verlassen.

Die Fälschungs-Mafia steigt in den Etail ein © Yuri Arcurs - Fotolia.com

Im Etail sind sie allgegenwärtig: die Kundenbewertungen. In der marktüblichen Fünf-Sterne-Kategorisierung verkaufen sich vor allem die Produkte gut, die mindestens vier Sterne haben. Laut einem Bericht der »Audio Video Foto Bild« gehen allerdings Brancheninsider davon aus, dass 20 bis 30 Prozent der Feedbacks gefälscht sind.

Dafür beauftragen die Hersteller spezielle Agenturen, die im Internet offen mit Services wie zum Beispiel »Shop-Texte« werben. Die »Audio Video Foto Bild« gab sich daher als Hersteller aus und gab zwei Agenturen den Auftrag, Kundenbewertungen bei beliebten Etailern einzustellen. Von ungefähr 100 abgegebenen Bewertungen wurde dabei keine einzige als Fälschung enttarnt.

Selbst das seit Neuestem vom Etail-Marktführer Amazon verwendete Gütesiegel »von Amazon bestätigter Kauf« stellte sich dabei nicht als Hindernis heraus. Die Agenturen bestellten die Produkte einfach und schickten sie nach vollendeter Rezension im Rahmen der gesetzlichen Widerrufsfrist zurück.

Ein weiteres, offenbar sehr beliebtes Angebot der Fälscher sind die sogenannten »Monitoring«-Verträge. Hierbei werden die Produkte des auftraggebenden Herstellers überwacht und negative echte Bewertungen durch fingierte Kommentare und positive Rezensionen entkräftet.

Laut »Audio Video Foto Bild« lassen sich gefälschte Kundenbewertungen anhand einiger Indizien erkennen. Die Betrüger verwenden demnach oft statt eines echten Namens ein Pseudonym. Auch ist Vorsicht geboten, wenn innerhalb kurzer Zeit von einem Account sehr viele Bewertungen abgegeben werden. Die Länge einer Rezension ist ebenfalls ein Indiz. So sind vor allem extrem kurze oder sehr lange Kommentare verdächtig, vor allem wenn viele Marketing-Floskeln verwendet werden. Durch fehlerhafte Rechtschreibung soll Authentizität vorgetäuscht werden.