Verdacht auf Steuerhinterziehung: Warenschiebereien bei Media-Saturn-Tochter Redcoon

Ermittlungen von Steuerbehörden zufolge soll Redcoon, die Online-Tochter von Media-Saturn, Waren an Zwischenhändler verkauft und am Ende wieder zurückgekauft haben – deutlich günstiger, da ein Teilnehmer des Warenkarussells wohl Umsatzsteuer hinterzog.

Logistikzentrum von Redcoon

Media-Saturn drohen Steuernachzahlungen und Strafen in Millionenhöhe, weil die Online-Tochter Redcoon in Warenschiebereien und Steuerhinterziehung verwickelt gewesen sein soll. Bereits 2013 ging die italienische Steuerbehörde einem Bericht des Spiegels zufolge diesem Verdacht nach, nachdem sie bei Ermittlungen gegen dubiose Lieferanten auf eine Verbindung zu Redcoon Italien gestoßen war. Später nahm Media-Saturn selbst mehr als 150 ausländische Lieferanten und Kunden sowie deren Transaktionen unter die Lupe und entdeckte ein Warenkreislaufsystem, das wohl von Juli 2012 bis März 2013 aktiv war. In diesem wurden vor allem Fernseher von Redcoon nach Italien verkauft und dann über mindestens einen weiteren Zwischenhändler an die polnische Tochter des Online-Händlers. Von dort gingen die Waren wieder zurück nach Deutschland – und hatten sich unterwegs deutlich verbilligt, da einer der ausländischen Zwischenhändler Umsatzsteuer hinterzogen haben soll.

Auch bei der Staatsanwaltschaft Würzburg läuft ein Ermittlungsverfahren und ein Verdächtiger sitzt in Untersuchungshaft. Dem Spiegel zufolge handelt es sich um einen ehemaligen Redcoon-Manager, während das österreichische Magazin Der Standard berichtet, der Verdächtige habe nicht zum Management gehört und sei kein leitender Angestellter gewesen.

Beim Mutterkonzern Metro sieht man Media-Saturn und Redcoon als »Geschädigte«. Die Vorwürfe würden sich vor allem auf Lieferanten beziehen, die Umsatzsteuer hinterzogen hätten. Man habe, nachdem man von den Vorgängen erfuhr, eine Untersuchung eingeleitet und personelle Konsequenzen gezogen. Gegen die damalige Geschäftsführung und den verdächtigen Ex-Mitarbeiter wurden zivilrechtliche Schritte und Schadensersatzverfahren eingeleitet.

Das Bekanntwerden der Warenschiebereien fällt für Metro auf einen ungünstigen Zeitpunkt, hatte der Handelskonzern doch erst letzte Woche angekündigt, sich aufspalten zu wollen. Das Großhandelsgeschäft Cash & Carry sowie der Lebensmittelhändler Real sollen in eine eigene Gesellschaft übertragen und Media-Saturn zum Kern der Metro werden. Media-Saturn hatte 2011 die Mehrheit bei Redcoon übernommen, um sein Online-Geschäft anzukurbeln.