Samsung beerdigt Blu-Ray-Player: Auslaufmodell Disc

Während Streaming-Dienste unablässig wachsen, wollen immer weniger Kunden Filme und Serien auf DVD und Blu-Ray-Disc kaufen. Die Nachfrage ist so gering, dass Samsung schon bald keine Abspielgeräte mehr produzieren will.

DVD und Blu-Ray sind auf dem besten Wege, sich in die lange Ahnenreihe der ausgestorbenen Unterhaltungstechnologien einzugliedern.
(Foto: Serghei Velusceac - AdobeStock)

Der durchschlagende Erfolg der Streaming-Dienste für Musik und Filme leitet ein neues Zeitalter in der Unterhaltungsindustrie und der ihr zugehörigen Elektroniksparte ein. Nachdem Medien über 100 Jahre lang auf Schallplatten, Audio- und Video-Kassetten, CDs, DVDs und schließlich Blu-Ray-Discs ausgeliefert, konsumiert und teils auch kopiert wurden, werden diese physikalischen Trägermedien durch das Angebot aus der Cloud nun überflüssig. Das beste Beispiel lieferte Anfang des Jahres der US-Rapper »A Boogie Wit Da Hoodie«, dessen Album »Hoodie SZN« es mit nur 823 verkauften Tonträgern auf Platz 1 des Charts schaffte – dank mehr als dem 100.000-Fachen an Abrufen per Stream.

Mit der Blu-Ray-Disc steht aktuell wohl der letzte Vertreter der klassischen Trägermedien vor dem allmählichen Abgesang. Denn auch ihr letzter Vorteil, die bessere Bild- und Tonqualität, wird angesichts der weiteren Verbreitung von Breitbandinternet und 4K-Streaming schon bald von der neuen Technologie überholt sein. Dann werden sich höchstens noch ein paar unverbesserliche Nostalgiker oder Offline-Asketen Filme auf Scheiben kaufen und ins Regal stellen. Das lässt auch die Hersteller nicht kalt. So hatte im vergangenen Jahr bereits die Premium-Marke Oppo Digital angekündigt, keine weiteren Modelle mehr entwickeln und die Produktion auslaufen lassen zu wollen. Jetzt folgt diesem Beispiel mit Samsung auch einer der wichtigsten Hersteller im Massenmarkt. Gegenüber US-Medien bestätigte das Unternehmen, dass es die Produktion von Blu-Ray-Playern in den nächsten Monaten und Jahren sukzessive auslaufen lassen werde. Den Anfang machen dabei die technologisch fortschrittlichsten Modelle mit den höchsten Auflösungen. Denn in den Verkaufscharts sind selbst DVDs noch deutlich öfter gefragt, als 4K-Blu-Rays.

Genauso verständnislos wie heutige Kids das Doppelkassettendeck oder den Videorecorder im Keller ihrer Eltern betrachten, werden sich künftige Generationen dann wohl fragen, ob ihre Eltern wohl einst einen dubiosen Streaming-Dienst oder ein illegales Offline-Kino betrieben haben, wenn sie deren Filmsammlung in einem Umzugskarton entdecken. Dass die Discs jedoch dereinst eine Retro-Welle erleben werden wie derzeit die Vinyl-Scheiben, darf als eher unwahrscheinlich gelten.

Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von chkalch , 06:21 Uhr

"unverbesserliche Nostalgiker oder Offline-Asketen" - ganz schön negative Bezeichnung für Menschen die dem Klima weniger schaden als diejenigen die streamen.

Ressourcen- und Energieverbrauch für Bereithaltung der Infrastruktur und Datenübertragung sind gewaltig. Wen es interessiert: Eine grobe Abschätzung wurden von "The Shift Project" veröffentlicht.