ERP-Hersteller auf Expansionskurs: Step Ahead baut auf kluges ­Channel-Management

Step Ahead ist ein Musterbeispiel für mutige Mittelständler, die an Krisen gewachsen sind und heute mittelständische Unternehmen wettbewerbsfähig machen.

Wolfgang Reichenbach, Gründer und Vorstand Step Ahead: »Wenn wir alles selber machen wollten, wären wir dumm«
(Foto: CRN)

Es gehört zu den größten Mysterien in der IT-Branche, dass Systemhäuser bei ihren Kunden modernste IT-Infrastrukturen aufbauen, die deren Effizienz und somit Wettbewerbsfähigkeit steigern, ihre eigenen Business-Prozesse dagegen noch so funktionieren, wie sie vor einer Dekade einmal aufgesetzt wurden. Noch immer ist Excel als System für die Kundenverwaltung weit verbreitet, nicht selten kommt das ­Microsoft-Programm für die Finanzplanung zum Einsatz. ERP-Hersteller kennen die für sie komfortable Situation und haben aus der Not einen Markt geschaffen. Branchenlösungen für Systemhäuser und IT-Dienstleister, wie sie die Step Ahead AG aus Germering bei München mit der Komplettlösung »Steps.IT« entwickelt und vertreibt, ist ein lukrativer, weil noch keinesfalls gesättigter Markt.

Der Druck, unter den ihre Kunden aus der IT-Branche stehen, ist gewaltig. Der Zwang auch bei kleineren IT-Häusern, endlich moderne ERP-/CRM-Systeme einzuführen, treibt das ERP-Geschäft in diesem Segment. Keines der schätzungsweise 8.000 bis 10.000 Systemhäuser in Deutschland kann angesichts des Margendrucks ohne eine effiziente Kunden- und Prozessverwaltung auf Dauer überleben.

Die Masse selbst kleinerer Abrechnungseinheiten – erfasst in einem Ticketsystem wie es in Steps.IT integriert ist – spült vielen IT-Häusern zusätzlichen Umsatz in die Kasse. Neue Dienstleistungsmodelle wie Managed Services aus monatlich fakturierten Vertragsleistungen müssen, je zahlreicher sie verkauft werden, im ERP-System automatisiert werden. Step Ahead profitiert von der Dynamik in diesem Kundensegment. Von den rund 200 Kunden von Steps.IT zählt die eine Hälfte zu Systemhäusern, die andere Hälfte sind Softwarehersteller. Außerdem zählt Step Ahead einige Etailer zu seinen Kunden sowie Unternehmen aus dem technischen Großhandel, dem Sektor Dienstleistungen und dem Bereich regenerative Energien. Einige der Branchenlösungen haben Partner aus dem Channel-Netzwerk beigesteuert.

So verkaufte Bernhard Leitsch vergangenes Jahr aus Altersgründen sein Softwarehaus an Step Ahead und sorgte so für einen reibungslosen Übergang. Wachstum durch Nachfolgeregelung, auch das ist Teil eines cleveren Managements der rund 40 Partner im Step Ahead-Channel. Für das laufende Geschäftsjahr geht Vorstand Wolfgang Reichenbach von einem satten Umsatzplus von 20 Prozent auf zwölf Millionen Euro aus. Bis 2020 könnten es dann schon 20 Millionen Euro werden. Auch die Gewinnaussichten des Softwareherstellers mit seinen aktuell 95 Mitarbeitern in Deutschland und bei den Tochtergesellschaften in Österreich und der Schweiz sieht der 49-jährige Vorstand rosig. »Die Ertragsstärke nimmt zu«, sagt Reichenbach. Vor allem in der Schweiz »läuft es hervorragend«.

Trotz weitgehend verteilter Positionen im ERP-Markt, der seit längerem von Verdrängung geprägt ist, sieht Reichenbach gute Perspektiven für sein Unternehmen. Vorausgesetzt, Step Ahead bleibt technologisch am Ball und kann Innovationen in seine Produkte einfließen lassen, die mit den finanziellen Mitteln eines mittelständischen Inhabers gestemmt werden können. Dokumentenmanagement, Mobilität, Business Intelligenz bis hin zu Rechenzentren für den Cloud-Betrieb der immer umfangreicher werdenden ERP-Systeme müssen zu Komplettpakten eines Herstellers geschnürt werden. Da trifft es sich gut, dass Reichenbach in der Region um den südwestlichen Münchner-Speck­gürtel bestens mit anderen IT-Gründern wie Jürgen Biffar von Docuware oder mit dem Starnberger UCC-Spezialisten Estos vernetzt ist.

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