Onlinehandel: Amazon rückt ins Visier der EU

Die Wettbewerbshüter der EU schauen sich an, was Amazon mit den Daten macht, die es mit Hilfe der vielen Händler, die über den Marketplace verkaufen, generiert.

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Im Sommer hatte die EU-Kommission eine Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Euro gegen Google verhängt, weil sie zu der Einschätzung gelangte, das Unternehmen missbrauche seine beherrschende Stellung im Smartphone-Markt mit Android, um die eigenen Apps und Dienste zu pushen. Nun rückt mit Amazon offenbar ein weiterer großer Digitalkonzern ins Visier der Wettbewerbshüter. Das bestätige EU-Kommissarin Margrethe Vestager vergangene Woche während einer Pressekonferenz. Gefragt, ob die Kommission die Bedenken vieler Menschen und Organisationen bezüglich der großen Marktmacht von Amazon teilen würde, sagte sie, man schaue sich den Sachverhalt an. Es sei kein Kartellverfahren eingeleitet worden, aber es laufe eine Voruntersuchung, um Informationen zu sammeln und sich ein Bild zu machen.

Konkret geht es darum, dass Amazon nicht nur selbst über die eigene Plattform verkauft, sondern sie auch anderen Händlern für den Verkauf zur Verfügung stellt. »Die Frage ist: Was passiert mit den Daten?«, so Vestager. Wenn Amazon die Daten, die es mithilfe der kleinen Händler generiere, nutze, um den Service für diese zu verbessern, sei das vollkommen in Ordnung. Aber man müsse klären, ob das Unternehmen sie auch für eigene Kalkulationen verwende, etwa »um herauszubekommen, was das nächste große Ding ist, was die Leute wollen und warum sie Dinge kaufen«.

Vestager sagte, die Kommission habe Fragebögen an verschiedene Markteilnehmer versandt. Wichtig war ihr zu betonen, dass man noch ganz am Anfang stehe: »Wir haben noch keine Schlüsse gezogen, wir haben kein formelles Verfahren eingeleitet.«