Firmenjubiläum Cyberdyne IT aus Köln: »Jetzt werden wir bald von den Bildschirmen befreit«

Gründung aus dem Kinderzimmer: Vor 25 Jahren hat die erste Welle der Massencomputerisierung den damals 19.jährigen Ralph Friederichs getragen. Ein Rückblick und die Frage, ob die nächste Welle, die Digitalsiierung, nicht eher Fluch als Segen ist.

1994 holte sich der 19.jährige Ralph Friederichs einen Gewerbeschein und legte los mit dem PC-Schrauben. Heute baut die Kölner Cyberdyne IT kräftig mit an der Digitalisierung.
(Foto: CRN)

CRN: Was hat Ihr erster PC gekostet?

Ralph Friederichs: Das war ein Rechner mit einem Intel 286er Prozessor und Microsoft DOS und hat als Komplettsystem 2.500 DM gekostet. Meine Eltern haben mir ihn bei Data Becker gekauft - einem der damaligen PC- Händler in Köln. Meinen ersten PC, den ich mir dann 1994 selber gekauft habe, den habe ich natürlich in Einzelteilen gekauft und selber zusammengebaut.

CRN: »Lerne doch was anständiges, werde Beamter«. So etwas hat doch auch noch ihre Generation von den Eltern zu hören bekommen, oder?


Friederichs:
Nicht ganz. Bei uns war es nicht Beamter, sondern ich sollte doch bitte studieren. Mein Vater war selbständiger Unternehmer und damit kam eine Laufbahn als Staatsdiener nicht in Frage. Das väterliche Unternehmen zu übernehmen konnte ich nicht, es waren ja noch zwei Brüder da. Also sollte ich natürlich etwas Vernünftiges lernen. Dass der Junge dann das Studium schmeißt, um sich selbständig zu machen und Computer zu verkaufen, das war für meine Eltern natürlich eine Katastrophe! Für mich war es die maximale Motivation, da ich mir damit ja selber etwas aufbauen konnte und unabhängig war.

CRN: Erst Vobis, später Escom und dann prügelten sich Kunden auch noch beim Aldi um billige Rechner. Wann war Ihren klar, als Schrauber mit Hardware keine Zukunft zu haben?

Friederichs: Das muss so ungefähr 1998 oder 1999 gewesen sein. Wir haben damals dann auch das selbständige Zusammenschrauben von Einzelteilen aufgegeben und Komplettsysteme bei Maxdata gekauft. Ich weiß noch wie einige sagten: »Das ist doch Quatsch, mit dem Eigenbau verdient man doch viel mehr Geld!« Mir aber war klar, dass die Zeit falsch investiert würde und ich hier ein totes Pferd reite. Es galt Netzwerke aufzubauen und fertige Systeme zu installieren und nicht Computer zu bauen.

CRN: An welche Internetseite erinnern Sie sich, die Sie zum ersten Mal aufgerufen hatten?

Friederichs: Die Webseite der Uni Köln. Als Student hatte ich über die Uni Köln eine Einwahlmöglichkeit bekommen und eine erste E-Mail Adresse. Die Verbindung wurde mit einem Modem - 2.400 Baud hergestellt. Unvergesslich die Ping-Töne des Gerätes. Ich glaube der Spiegel war dann auch schon früh im Internet und Yahoo als Suchmaschine.

CRN: 2001 kannte noch niemand den Begiff »Managed Services«, auch der Jungunternehmer Friederichs mit zehn Angestellten nicht, obwohl er genau solche IT-Dienste anbot.

Friederichs: Nein, den Begriff kannte natürlich keiner. Wir sprachen vom IT Outsourcing oder Outtasking. Und das auch nur, weil einer unserer damaligen Kunden mit dem Bedürfnis auf mich zukam, seine IT outzusourcen. Wir übernahmen also die Betreuung der kompletten Infrastruktur und waren auf einmal IT-Service-Dienstleister mit einem Outsourcing-Vertrag in der Tasche. Monatlich wiederkehrende Einnahmen! Das war ein sehr wichtiger Entwicklungsschritt.

CRN: Was war der größte Fehler in Ihrer unternehmerischen Karriere? Nicht genau so rasch expandiert zu haben, wie eine Bechtle?

Friederichs: Auf keinen Fall! Bechtle ist für mich absolut kein Vorbild und diese Größe ist und war nie ein Ziel.

Diese Unternehmen empfinde ich als unpersönlich, reine Verkaufsmaschinerien mit Ellbogen-Mentalität. Dem Wachstum, dem Umsatz und dem Ergebnis wird alles untergeordnet. Die Mitarbeiter sind nur noch Nummern. Ich schätze eine Unternehmensgröße, in der ich noch jeden Mitarbeiter persönliche kenne, mit dem Azubi per Du bin und weiß, wie es meinen Mitarbeitern geht.

Mein größter Fehler war, dass ich mich nicht viel früher mit dem Thema Führung auseinandergesetzt habe. Ich habe anfangs einfach Mitarbeiter eingestellt, wenn ich Glück hatte, haben die einen guten Job gemacht, wenn nicht, dann nicht. Aber warum der eine so arbeitet und der andere so, das musste ich über viele Jahre lernen, manchmal auch sehr schmerzhaft. Als uns zirka 2006/2007 vier unserer besten Techniker nacheinander verließen, obwohl wir doch eigentlich super klar kamen, wie ich dachte, hat mir das die Augen geöffnet. Ich habe mich danach intensiv mit dem Thema Führung beschäftigt.

CRN: »Irgendwo in Griechenland / Jede Menge weißer Sand / … Und irgendwann bleib i dann dort.« Nie dieses von Gert Steinbäcker besungene Lebensgefühl verspürt und ans Verkaufen gedacht?


Friederichs: Nein. CYBERDYNE ist für mich eine Herzensangelegenheit, wenn man so will ja auch mein Lebenswerk. Ich kann nichts anderes und ich will auch nichts anderes. Ich bin Unternehmer und kann jeden Tag an meinem Unternehmen arbeiten. Das ist doch Klasse! Nach Griechenland fahre ich gerne in Urlaub, bin dann aber nach einer gewissen Zeit auch wieder froh, wenn ich zu Hause bin.

CRN: Cyberdyne? Solche Kinderzimmer-Startups hätten doch damals typischerweise nach dem Gründer heißen müssen: Friederichs EDV oder Ralph’s Computershop.

Friederichs: Das ging gar nicht und mit dem - wie sagt man? - Deppenapostroph schon gleich gar nicht. Es musste ein großer Name sein, etwas Zukunftsweisendes, etwas Cooles! Ich war seit meiner Jugend ein Fan der Terminator-Filme. Terminator 2 hatte ich natürlich zur Premiere im Kino gesehen und danach noch oft auf VHS. Als ich nun zum wiederholten Male mit Freunden den Film sah, kam die Idee. Ich nenne die Firma CYBERDYNE Systems, so wie im Film! Gesagt, getan, der Name war gesetzt und wurde später in CYBERDYNE IT GmbH umbenannt. Übrigens, der Name ist heute europaweit als Marke angemeldet und geschützt.

CRN: Jost Stollmann, der Gründer von Computnet, hat kürzlich im Rückblick bei auf die Jahrtausendwende ein ernüchterndes Fazit der ersten Massencomputerisierung gezogen. »Wir fühlten uns in einer Welt des Aufbruchs in eine menschlichere Welt«. Man habe aber den »Denkfehler« begangen und geglaubt, „»dass die wenigen Gewinner alles nehmen können, ungestraft, ohne die anderen Mitbürger mitzunehmen.« Werden vernetzte Maschinen und künstliche Intelligenz die Gesellschaft weiter spalten in Menschen, die Gestalten dürfen, noch Arbeit und Wohlstand haben und solche, die ein bedingungsloses Grundeinkommen und viel Freizeit bekommen?

Friederichs: Nein, ich glaube nicht, dass uns vernetzte Maschinen und künstliche Intelligenz spalten werden. Ganz im Gegenteil. Sie werden uns sehr viele langweilige Routinearbeiten abnehmen, die eh keiner - oder sagen wir - wenige gerne macht. Sie werden es einer viel größeren Anzahl Menschen als heute ermöglichen, sich frei zu entfalten und ihr Potential zu nutzen. Aber natürlich nur dann, wenn wir diese Chance auch ergreifen. Das ist ja keine Frage von künstlicher Intelligenz und vernetzter Welt, sondern wie wir mit dieser Technologie umgehen.

Wenn wir zurück blicken und uns die bisherigen industriellen Revolutionen anschauen, dann ist immer genau das passiert: Die Menschen wurden von harter Landarbeit befreit und konnten körperlich einfachere und geistig anspruchsvollere Arbeit verrichten. Danach wurden sie vom Fließband und dem Taylorismus befreit und konnten im Büro individueller und wieder anspruchsvoller arbeiten. Jetzt werden wir bald von den Bildschirmen befreit und können hoffentlich unser kreatives Potential entfalten. Und: nach jedem Entwicklungsschritt ging es der Masse der Menschen besser. Natürlich stehen wir vor der Herausforderung eines neuen Strukturwandels und natürlich müssen sehr viele Fragen beantwortet werden – auch das diskutierte bedingungslose Grundeinkommen. Aber die Chancen der Digitalisierung sind aus meiner Sicht deutlich größer als die Risiken.

CRN-Tipp

Treffen Sie Ralph Friederichs auf der Channel-Konferenz am 15.Oktober 2019 in Köln. Von Systemhaus-Chef zu Systemhaus-Chef berichtet er bei CRN aus seiner MSP-Praxis.

25 Jahre lang hat Ralph Friederichs mit seinem IT-Systemhaus etliche Höhen und Tiefen durchgestanden, jede Veränderung am Markt mitgemacht und ist dabei immer weiter gewachsen. Das Potenzial Managed Services hat der Gründer und Geschäftsführer von Cyberdyne früh erkannt und von Kollegen in den USA, Niederlande und Irland gelernt, wie man Plattformen, Tools und Teams perfekt verzahnt. Was er dabei gelernt hat: »Betriebswirtschaftliches Know-how, analytisches Denken und Empathie sind gefragt. Das trennt die Spreu vom Weizen unter den MSPs«.

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