DMS-Spezialist wieder auf Kurs: Aufräumarbeit bei Easy Software trägt erste Früchte

Nach knapp einem Jahr als CEO hat Dieter Weißhaar den DMS-Pionier Easy Software wieder auf Spur gebracht – und kann womöglich sogar aus den dunklen Machenschaften seiner Vorgänger etwas Positives ziehen.

Neuer Schwung und Blick für Talente: Easy Software CEO Dieter Weißhaar lässt die turbulente Vergangenheit des DMS-Spezialisten ein Stück weit vergessen machen.
(Foto: CRN)

Er wolle mal »ein ernstes Gespräch über ordentliche Führung« mit dem CEO der Easy Software führen, so der Linkedin-Kommentar von Management-Berater Peter Bienert unter das Video des Sommer-Events, das Dieter Weißhaar, Chef des DMS-Herstellers, am Sonntag ins Netz stellte. Denn »auf dieser Veranstaltung wird eindeutig zu viel gelacht«. Ein gutes, so wichtiges Zeichen der Entspannung also. Viel zu lachen hatte die Belegschaft der Easy Software in den letzten Jahren wahrlich nicht.

Zu viele Skandale um den ehemaligen Vorstandsprecher Gereon Neuhaus und Ex-Aufsichtsratschef Manfred Wagner hatten die Gerichte jahrelang beschäftigt. Der Vorwurf: Untreue in mehreren Fällen zu Lasten der Easy Software und Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe. Fast 1,5 Millionen Euro sprach kürzlich das Landgericht Duisburg der Easy Software zu, diese Summe soll unberechtigter Weise an die mittlerweile insolvente sbr health IT geflossen sein, für die Neuhaus und Wagner nun gerade stehen sollen. In einem anderen Fall, dem »Komplex Scan Optic«, wird gegen Wagner noch ermittelt.

»In der Belegschaft sind die Gerichtsverfahren kein Thema mehr«, sagt CEO Weißhaar im Gespräch mit CRN. Kein Wunder, denn die Ermittlungen und Prozesse dauern nun schon seit sieben Jahren.

Als Weißhaar im Juni 2018 in den Aufsichtsrat des DMS-Spezialisten eintrat und ab September den einzigen Vorstandsposten übernahm, wusste der Manager also, auf was er sich bei diesem traditionsreichen Softwarehersteller einlassen würde.
24 Jahre alt war Weißhaar 1990 und beendete gerade sein Wirtschaftsstudium an der Ruhr-Universität Bochum, als Easy Software gegründet wurde. Dass der heute 54-Jährige einmal an der Spitze dieses einstigen Shooting-Stars am Neuen Markt (März 2000: 60 Euro/Aktie) stehen würde, hätte er auch zehn Jahre später noch nicht vermutet. Er war da gerade von IBM zur IT-Tochter von Thyssen-Krupp gewechselt.

Es folgten längere Stationen bei Transtec, Oracle, T-Systems.
Wenn Weißhaar nun davon spricht, dass seine Vorgänger bei Easy Software »Konzern gespielt« hätten und »zum Beispiel 30 Consultans in acht Einheiten zergliederten«, dann weiß jemand aus eigener langer Karriereerfahrung bei Konzernen und mittelständischen Unternehmen, dass man so nicht effizient wirtschaften kann. »Wir sind Mittelstand. Und auf diesem Weg sind wir wieder gut unterwegs«, hat der CEO das Unternehmen wieder auf die richtige Augenhöhe gezogen.

Vor allem auch personell hat der Manager wichtige Posten neu besetzt. Er holte Werner Höllrigl von Oracle nach Mühlheim an der Ruhr und übertrug seinem langjährigen Weggefährten die wichtige Consulting-Sparte. Wer glaubt, Weißhaar gehöre zum Typus Krisenmanager, der nach dem so oft bekannten Motto agiert: er kam, sah und sanierte vor allem langjährige Führungskräfte weg, um sein Gefolge zu installieren, täuscht sich. Der CEO setzt auf junge Talente, die unter den Krisen der Vorjahre und einem durchaus selbstgefälligen Vorstand keine Chancen bekommen hatten, ihre Stärken unter Beweis zu stellen. Matthias Höfelmeyer zum Beispiel, der seit knapp sieben Jahren den Channel bei Easy Software betreut und nun das Partnermanagement seit Februar dieses Jahres federführend leitet.

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