CRN-Kopfnuss: Du sollst keine anderen Clouds haben neben mir

Insidern zufolge existiert bei Amazon eine Bezos-Bibel, auf die Reseller der AWS-Dienste ewige Treue schwören müssen. Und in der die Existenz anderer Clouds kategorisch verneint wird, denn »AWS ist die wahre und einzige Cloud«.

(Foto: Romolo Tavani - AdobeStock)

Amazon Web Services ist unbestritten der Marktführer im schnell wachsenden Cloud-Business, doch neben dem Branchenriesen existieren natürlich noch unzählige andere Clouds. Oder etwa nicht? Wie jetzt bekannt wurde, hat AWS seine Richtlinien für Mitarbeiter und Vertriebspartner angepasst. Diese müssen dem Cloud-Riesen künftig am ersten Arbeitstag beziehungsweise beim Abschluss eines Reseller-Vertrags ewige Treue schwören – und das offenbar auf eine Bezos-Bibel, in der Gründer Jeff die wichtigsten Leitsätze niedergeschrieben hat. Allerdings steht dort nicht »Du sollst keine anderen Clouds haben neben mir«, denn die Existenz von Konkurrenten wird kategorisch verneint, schon zu Beginn heißt es stattdessen: »AWS ist die wahre und einzige Cloud.«

Wer sind schon Microsoft und Google, wenn es um die Strahlkraft von AWS geht? Roadshows und Konferenzen glichen einer Gehirnwäsche, berichten Aussteiger, die auch weitere Gebote aus der heiligen Schrift rezitieren können: »Halte die AWS Cloud heilig und ehre sie wie Mutter und Vater, dann wird es dir auf ewig gut ergehen«, steht dort geschrieben, oder »Du sollst nicht begehren deines Nachbarn Cloud-Ressourcen, denn von AWS wird dir ausreichend gegeben werden«. Zu jedem Gebot soll es zudem ausschweifende Erklärungen geben, was erlaubt ist und was nicht – bis hin zur Nennung drakonischer Strafen bei Verstößen. Bei »Du sollst gegenüber Kunden nicht aussagen über ›Alternativen‹ zur AWS Cloud« werden Reseller des »AWS Club« genannten Partnerprogramms beispielsweise strengstens angehalten, Begriffe wie »Hybrid Cloud« oder »Multicloud« zu meiden. Wer sich verplappert, muss den männlichen Erstgeborenen für einen zweijährigen Kompensationsdienst in einem Amazon-Logistikzentrum abliefern.

Das all dies nun bekannt wurde, dürfte AWS gar nicht schmecken, lauten doch gleich zwei Regeln für die Reseller »Ihr verliert kein Wort über den AWS Club«. Das lässt sich wahrscheinlich sogar noch leichter bewerkstelligen, als andere Clouds komplett zu verschweigen. Schließlich dürfte es grundsätzlich schwierig werden, potenzielle Kunden in nicht existierenden Clouds anzusprechen und überzeugend Unterstützung beim Umzug von Daten und Applikationen aus dem Nichts zur seelig machenden AWS Cloud anzubieten. Zwar kennt auch die Bezos-Bibel ein großes Nichts – doch das war ganz am Anfang, bevor Jeff daraus ein Online-Kaufhaus und die AWS Cloud erschuf. Nur sechs Tage soll er dafür benötigt haben, bevor er dann am siebten Tag ruhte und Amazon Prime Video schaute.

Kommentare (2) Alle Kommentare

Antwort von Wolfgang Hennes , 15:04 Uhr

Bei dem Titel musste ich schon schmunzeln :-). Da ist schon was dran, ich verfolge Amazon AWS seit Anbeginn, als es sozusagen als "Abfallprodukt" entstand, um seinen Marktplatzteilnehmern unkompliziertes und schnelles Datenmanagement zu ermöglichen. Bis heute ist das Hauptargument, warum Firmen AWS nutzen, wie bei Amazon allgemein: günstigster Preis (wobei der Preisvergleich der Cloud Provider schwierig ist, weil sie alle Ihre Preise so gestalten, damit sie eben nicht vergleichbar sind) und (relativ) einfache Bedienung.

Ich empfehle alle Cloud Provider zu nutzen, denn jede hat Vorteile oder eine eigenen Geschichte der Entstehung, aber auch Entwicklung, ganz grob: AWS (E-Commerce), Azure (Office Anwendungen), Google Cloud (Development, AI).

Weitere Infos haben wir hier: oneclick-cloud.com/de/blog/trends/cloud-computing-infografik/

Antwort von Lütkemeier , 12:56 Uhr

Endlich mal ein guter Artikel! :D