Datenbanksoftware: Oracle will an MySQL festhalten

Weder einstampfen noch verkaufen will Oracle nach eigenen Angaben die Open-Source-Datenbank MySQL. Im Gegenteil: Auf einer Konferenz sagte ein Manager des Unternehmens, dass die Softwarefirma mehr Geld in die Entwicklung des Produkts stecken möchte.

Wie berichtet (siehe Beitrag), machten sich unter Nutzern von MySQL jüngst Befürchtungen breit, Oracle wolle die Datenbank-Software »abservieren«. MySQL kam im Zuge der Übernahme von Sun Microsystems unter die Fittiche von Oracle. Die Lösung, so die Vermutungen, konkurriere zu stark mit Oracles Kernprodukt 11g.

Bei MySQL Cluster 7.1 hat Oracle den Cluster-Manager drastisch überarbeitet.

Edward Screven, Oracles Chief Corporate Architect, hat jetzt am Rande der O’Reilly MySQL Conference in Santa Clara (Kalifornien) solche Spekulationen als haltlos zurückgewiesen. Gegenüber dem IT-Informationsportal Infoworld.com sagte Screven, MySQL weise einige Features auf, die für Oracle wichtig seien. Die Software sei schlank, einfach zu installieren und für viele Anwendungsentwickler höchst attraktiv.

Fachleute von MySQL und des InnoDB-Teams arbeiten laut Screven derzeit daran, MySQL zu verbessern. So habe man die Performance um 35 Prozent gesteigert.

Neue Funktionen im Anrollen

InnoDB wurde von Oracle vor fünf Jahren übernommen. Die Datenbank-Engine der ehemals finnischen Firma unterstützt Transaktionsprozesse und stellt die Konsistenz von Datenbeständen sicher, wenn es zu Hardware-Fehlern kommt. Diese Features sollen auch in MySQL Einzug halten, durch Integration der Engine von InnoDB.

Einige geplante Erweiterungen, wie etwa »Hot Backups«, werden allerdings nur der kommerziellen Version von MySQL vorbehalten sein. Auch Monitoring-Funktionen werden weiterhin nur in der Kauf-Variante der Software zur Verfügung stehen.

Ein Grund, weshalb Oracle an MySQL festhält ist laut Screven, dass die Software ein direkter Konkurrent von Microsofts SQL-Server ist. Dem Software-Riesen aus Redmond will Oracle offenbar auf dem Gebiet SQL-Datenbanken nicht das Feld überlassen.

Neue Cluster-Version von MySQL

Parallel zum Statement von Edward Screven kündigte Oracle Version 7.1. von MySQL Cluster an. Bei dieser Ausgabe der Software standen eine höhere Verfügbarkeit und ein einfacheres Management im Vordergrund.

Schneller und stabiler sollen MySQL und auch die Cluster-Version der Datenbanksoftware laut Oracle werden.

So ermöglicht es MySQL Cluster nun, neue Knoten im laufenden Betrieb hinzuzufügen, ohne dass es zu Stillstandszeiten kommt. Zu diesem Zweck wurde der Cluster-Manager überarbeitet.

NDBInfo liefert in Echtzeit Informationen über den Status der Knoten, inklusive SQL-Tables und -Views. Der Cluster Connector for Java wiederum ist für Entwickler von Java-Anwendungen gedacht, die direkt mit einem MySQL-Cluster kommunizieren.

Generell ist Version 7.1. laut Oracle stabiler und bietet verbesserte Echtzeitfähigkeiten. Damit will der Hersteller vor allem Anwender in den Bereichen Telekommunikation und Embedded-Anwendungen »locken«.

MySQL Cluster 7.1 kann über die Web-Seite dev.mysql.com heruntergeladen werden.