Oracle im Clinch mit HP und Intel: Oracle stoppt die Softwareentwicklung für den Itanium-Chip

Weil dessen Zukunft fraglich sei, stellt Oracle die Entwicklung von Software für den Itanium-Chip von HP und Intel ein. Diese Unternehmen werfen dem Konkurrenten vor, durch gezielte Desinformation die Sparc-Systeme aus der Sun-Akquisition stützen zu wollen.

Larry Ellison, Gründer und CEO von Oracle

Er habe den Eindruck, dass Hewlett-Packard und Intel sich von ihrem High-End-Chip Itanium zugunsten einer reinen x86-Strategie abwenden würden. Deshalb werde die Oracle-Software für diese Plattform nicht mehr weiterentwickelt, verkündete Oracle-CEO Larry Ellison vorige Woche. »Die Arbeit an den Itanium-Prozessoren und -Plattformen geht unvermindert weiter – über mehrere Generationen von Chips, die gegenwärtig entwickelt werden und im Plan sind«, stellte Paul Otellini, CEO und President bei Intel, daraufhin klar. Dave Donatelli, Executive VP für Enterprise Server, Storage and Networking bei HP, legte nach: »Oracle versucht, sein nachlassendes Geschäft mit Sun-Servern zu stützen.«

In der Tat verliert Sun seit der Übernahme durch Oracle im Unix-Server-Segment stark an Marktanteilen. Allerdings haben auch Microsoft und Red Hat unlängst mitgeteilt, dass sie den Itanium-Chip nicht mehr unterstützen werden. Nach Schätzung der Marktforschungsfirma Forrester läuft auf etwa der Hälfte der HP-Superdome-Server, die auf dem 64-Bit-Chip Itanium beruhen, Oracle-Software. Laut IDC hat Oracle mit den Sun-Servern im vierten Quartal des Kalenderjahrs 2010 rund 14 Prozent weniger Umsatz erzielt, während IBM 22 Prozent und HP 13 Prozent mehr einnahmen und das gesamte Segment um 15 Prozent wuchs. IBM setzt im High-End auf die eigenen Power-Chips.

Oracle hat seine Software in den Bereichen Datenbanken, Middleware und betriebswirtschaftliche Anwendungen eng verzahnt. Das erklärte Ziel der Sun-Übernahme ist, integrierte Komplettsysteme aus Soft- und Hardware zu liefern. Möglichen Performance- und Administrationsvorteilen steht als Nachteil eine höhere Abhängigkeit der Kunden von ihrem Hersteller gegenüber. Oracles Software läuft im oberen Leistungsbereich außer auf Sun-Maschinen weiterhin auf IBMs Unix-Plattform und im unteren und mittleren Segment auf x86-Servern.