DDoS-Attacke auf Spieleanbieter CCP: So lustig kann ein Serverausfall sein

Ein großangelegter DDoS-Angriff hat den Spieleanbieter CCP gezwungen, seine Server für fast 24 Stunden vom Netz zu nehmen. Viel Zeit zum Nachdenken und Scherzen für hunderttausende Nutzer mehrerer Online-Spiele.

Eine DDoS-Attacke zwang am Sonntag über eine halbe Million Online-Rollenspieler dazu, sich mit dem Real Life zu beschäftigen. Zum Wohle vieler Beziehungen. (Bild: Screenshot by crn.de)

Über eine halbe Million Online-Spieler waren am Sonntag gezwungen, sich ausnahmsweise aus ihren geliebten virtuellen Welten fern zu halten und sich stattdessen mit dem rauen echten Leben samt seiner oft unbekannten Gefahren wie der sagenumwobenen Damenwelt auseinander zu setzen. Wegen eines groß angelegten Distributed Denial of Service (DDoS) Angriffs hatte der isländische Spieleanbieter CCP beschlossen, seine Server vom Netz zu nehmen. Darunter auch der große »Tranquility«-Cluster, auf dem sowohl das Weltraum MMORPG Eve Online, als auch der damit verknüpfte Playstation-Shooter Dust 514 und die jeweiligen Webseiten und –Services laufen. Nach ersten Informationen von CCP hatte ein bislang unbekannter Cyberkrimineller einhergehend mit der DDoS-Flut versucht, eine Sicherheitslücke in einem Hintergrund-Service auf dem Server auszunutzen, um sich Zugang zu den Spielprogrammen und –Datenbanken zu verschaffen. Darin unterschied sich der Angriff auch von bisherigen DDoS-Attacken auf die Spielwelten. Allerdings sei dies durch das rechtzeitige Eingreifen und Herunterfahren verhindert worden. »Es wurden zu keiner Zeit Nutzerdaten kompromittiert«, versichert CCP. Nach einigen Tests sei man sich inzwischen sicher, die entsprechende Lücke ausgemerzt zu haben. Die Server wurden deshalb wieder in Betrieb genommen und für die Spieler frei gegeben.

Mehrere hunderttausend Spieler nahmen die Auszeit Großteils mit Humor und posteten auf Facebook viele selbstironische Kommentare zur ungeplanten Auszeit von der Auszeit. So forderte etwa Dan Thompson seine Mitspieler auf, die Spiel-Pause zu nutzen, um endlich einmal wieder in Ruhe ihren persönlichen Hygiene-Faktor zu überprüfen. »Alle Piloten, die schon seit längerem nicht mehr unter der Dusche waren sollten diese Chance besser nutzen!«. Ein Tipp, der so manchem Hardcore-Gamer in sozialer Hinsicht sicherlich weiter geholfen haben dürfte. Einer der mächtigsten Spieler-Verbände in Eve, die RAZOR Allianz, forderte ihre verdutzten und teils hilflosen Mitglieder zu einem sinnvollen Notfall-Alternativ-Programm auf: »Wir haben unsere Piloten angewiesen, ihre Zimmer aufzuräumen und ihren Freundinnen ein romantisches Abendessen bei Kerzenschein zu gönnen«, so die Anweisung. Einige andere Spieler vermuteten denn - angesichts solcher Vorschläge wohl kaum verwunderlich - hinter dem Angriff sogar direkt ihre Ehefrauen. Eine weltweite Verschwörung der eifersüchtig schmachtenden Spieler-Frauen habe zu diesem Eve-freien Sonntag geführt, so ihre These. Woraufhin sich direkt einige Frauen meldeten und jegliche Schuld von sich wiesen. Im Gegenteil, so eine Facebook-Nutzerin, habe sie nun ihrem Liebhaber absagen müssen, da ihr Mann nun auf einmal doch ansprechbar sei und es bemerken könnte, wenn sie mal eben für eine Stunde verschwinde.Ein weiterer Nutzer hingegen hat dank der Lücke bemerkt, dass er eine Tochter hat. »Sie ist drei Jahre alt und heißt Paula.«

Egal also, wer wirklich hinter dieser schändlichen Cyberattacke gesteckt hat. Abgesehen vom zu verurteilenden Schaden für CCP und die Spieler konnten Herren und Damen gleichermaßen fast schon dankbar für die ungeplante Spielunterbrechung sein – sei es für den geschenkten Nachmittag in Zweisamkeit, oder auch nur für die Kommentarflut. Denn so enorm unterhaltsam wie die selbstkritischen Nerd-Betrachtungen wäre der Nachmittag mit laufenden Servern sicher nicht geworden.