Breitband in Deutschland: Übermäßige Regulierung behindert Glasfaserausbau

Laut aktuellen Zahlen des Bundesverbands Breitbandkommunikation (Breko) stellen alternativen Netzbetreiber mehr als 82 Prozent aller direkten Glasfaseranschlüsse in Deutschland. Künftig sollte der Markt mit weniger Regulierung zugunsten frei verhandelter Kooperationsmodelle gestaltet werden, fordert der Verband.

Weniger Regulierung im Glasfasermarkt fordert jetzt der Breko.
(Foto: Thomas Reimer - Fotolia)

Auch wenn sich die absolute Zahl der verfügbaren Glasfaseranschlüsse noch auf niedrigem Niveau bewegt, wird sich die Dynamik des Glasfaserausbaus in den kommenden Jahren stark erhöhen. Davon geht der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) aus. Angesichts dieser Entwicklung setzt sich der Verband dafür ein, dass sich alle Marktteilnehmer gemeinsam mit der Bundesnetzagentur schon zeitig darüber verständigen, wie die Spielregeln auf dem künftigen Glasfasermarkt aussehen müssen. Denn nach Ansicht des Breko spielen die regulatorischen Rahmenbedingungen für die alternativen Carrier in Deutschland eine extrem wichtige Rolle. Das geht auch aus dem aktuellen Strategiepapier »Glasfaser Zukunft« hervor. »Der Glasfaserausbau im Wettbewerb wird durch Open-Access-Kooperationen zwischen den zahlreichen lokal und regional ausbauenden sowie bundesweit operierenden Netzbetreibern in den nächsten Jahren immer stärker vorangetrieben werden. Wir müssen jetzt – mit der Glasfaser – nicht nur die beste digitale Infrastruktur für unser Land bauen, sondern vorausschauend auch die künftigen Spielregeln festlegen«, fordert Breko-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers. Anders als vor 20 Jahren gehe es nämlich derzeit nicht darum, den Monopolmarkt eines ehemaligen Staatsunternehmens in den Wettbewerb zu überführen, sondern darum, von vorneherein faire und wettbewerbsfördernde Rahmenbedingungen für alle Teilnehmer eines neuen Marktes zu schaffen.

Aus Sicht des Glasfaserverbands kann die künftige Glasfaserwelt zugunsten frei verhandelter Kooperationsmodelle zwischen den Netzbetreibern, und hier ausdrücklich auch mit der Deutschen Telekom, mit weniger Regulierung gestaltet werden. »Regulierung setzt dann nur noch die unverzichtbaren Leitplanken«, so Verbandschef Albers. »Für die künftige Glasfaserwelt gilt die Devise: Open Access vor Regulierung.« Eingriffe durch die Bundesnetzagentur sind für den Breko dann denkbar, wenn Verhandlungen scheitern oder verweigert werden.

Auch Telekom forciert Glasfaserausbau

Der Ansatz des Breko fällt nahezu zeitgleich mit einem neuen Vermarktungsansatz der Deutschen Telekom zusammen. In einem Projekt soll in kleineren Städten der Ausbau von Glasfasernetzen bis zu den Haushalten (Fiber to the home, FTTH) getestet werden. Den Auftakt macht Bad Staffelstein in Franken. Ab Dezember können sich die Bürger dort für einen Glasfaseranschluss registrieren. Anfang 2018 sollen dann weitere kleinere Pilotstädte in Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen und Thüringen folgen. »Für mehr Voll-Glas greifen wir eine Idee wieder auf, die wir bereits 2011 eingeführt hatten: Die Vorvermarktung. Damals war die Nachfrage häufig noch nicht ausreichend. Wir hoffen jetzt, auf mehr Resonanz zu stoßen«, sagt Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme, Deutschland. Die Kosten beim Glasfaserausbau will die Telekom durch den Einsatz von Trenching reduzieren. Dabei müssen für die Verlegung der Glasfaser keine Gräben ausgebaggert werden. Stattdessen werden schmale Schlitze in den Bodenbelag gefräst.

Auch außerhalb der neuen Pilotprojekte verstärkt die Telekom nach eigenen Angaben den Glasfaserausbau massiv: Statt 30.000 sollen in diesem Jahr 40.000 neue Glasfaserkilometer hinzukommen. Für das kommende Jahr sind sogar 60.000 neue Glasfaserkilometer geplant.

Entscheidend für den Glasfaser-Ausbau sind laut der Telekom auch regulatorische Anreize. Der Ausbau mit Glasfaser bis zu den Haushalten (FTTH) beziehungsweise bis zu den Gebäuden (FTTB) müsse aus der Regulierung herausgenommen werden. ​