Milliardendeal im UC-Markt: Mitel plant Zusammenschluss mit Avaya

Mitel hat ein Angebot für Mitbewerber Avaya abgegeben, wie US-amerikanische Medien berichten. Sollten die Wettbewerbshüter den Deal absegnen, könnte ein neuer UC-Riese entstehen – und die Konsolidierung im einst weitläufigen Kommunikationsmarkt würde sich nochmals beschleunigen.

(Foto: Avaya)

Mitel soll ein Angebot für einen Zusammenschluss mit Branchenschwergewicht und Mitbewerber Avaya abgegeben haben. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Wall Street Journal hervor. Laut der US-amerikanischen Tageszeitung beläuft sich das Angebot von Mitel und Searchlight Capital Partners, der Investorengruppe hinter dem kanadischen UC-Anbieter, auf 20 bis 22 US-Dollar pro Aktie und damit auf einen Gesamtwert von mehr als zwei Milliarden US-Dollar.

Mitel und Avaya könnten den Deal bereits im kommenden Monat abschließen, wie das Wall Street Journal in seinem Beitrag weiter ausführt, der sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen bezieht. Jedoch sind die Kanadier nicht die einzigen Bieter. Bereits vor einigen Wochen gab es Berichte über weitere Interessenten, die jedoch im Gegensatz zu Mitel keine direkten Konkurrenten aus dem UC-Umfeld sein sollen. Es könnte also zu einem Bieterwettstreit kommen. Aufgrund der kombinierten Marktanteile der beiden Kommunikationsanbieter Mitel und Avaya dürfte einem Zusammenschluss darüber hinaus eine kritische Prüfung der Wettbewerbsbehörden vorausgehen. Laut UC Today sollen die Anteile aber nicht signifikant genug sein, um einen möglichen Zusammenschluss tatsächlich zu verhindern.

Turbulente Zeiten

Die Berichte um Übernahmeangebote folgen einer Zeit der Unsicherheit und Turbulenzen bei Avaya. Anfang 2017 musste das Unternehmen in den USA einen Insolvenzantrag nach Chapter 11 beantragen. Avaya hatte laut Medienberichten zu diesem Zeitpunkt Schulden in Höhe von sechs Milliarden Euro angehäuft. »Die aktuelle Schuldenlast des Unternehmens durch das Chapter 11-Verfahren zu reduzieren, wird alle Geschäftsbereiche von Avaya optimal für zukünftige Erfolge positionieren«, erklärte Kevin Kennedy, ehemaliger CEO des US-amerikanischen Anbieters, mit Bekanntgabe des Antrags.

Aber nicht nur Avaya hat turbulente Zeiten hinter sich. Der gesamte UC- und Telekommunikationsmarkt steht seit Jahren massiv unter Druck, was sich besonders an den großen Anbietern der Branche zeigt. Mitel wurde Anfang 2018 von der Investorengruppe Searchlight Capital Partners übernommen, Unify 2016 von Atos gekauft, Broadsoft Ende 2017 durch Cisco und Alcatel-Lucent Enterprise ging 2014 an China Huaxin. Darüber hinaus wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche kleinere UC-Anbieter übernommen und integriert, so beispielsweise Shoretel durch Mitel.

Steigender Wettbewerbsdruck

Allem voran macht den aus dem klassischen Telekommunikationsmarkt stammenden Anbietern der zunehmende Druck aus der IT zu schaffen, der unter anderem von Software- und Cloud-Riesen wie Microsoft aufgebaut wird. Die Redmonder haben sich – nicht erst, seitdem sie PBX-Funktionen in ihren Cloud-Dienst Office 365 integrierten – aufgrund der gewaltigen Kundenbasis und ihrem Marktzugang zu einem direkten Wettbewerber der UC-Hersteller entwickelt. Zwar haben auch Avaya, Alcatel-Lucent Enterprise, Mitel, Unify und Co. ihre Absichten bekundet, ihr jeweiliges Cloud-Geschäft schnell ausbauen zu wollen, kommen dabei aber deutlich langsamer voran als viele IT-Anbieter. So liegt der Marktanteil der Cloud-Telefnie hierzulande weiterhin im niedrigen einstelligen Prozentbereich und trotz zahlreicher vielversprechender Prognosen hat sich das gesamte UCaaS-Segment bisher nur schleppend entwickelt.

Ein Zusammenschluss von Mitel und Avaya würde unter wider den zunehmenden Marktdruck aber ein neues UC-Schwergewicht schaffen und für einigen Rückenwind im Wettbewerb sorgen. Gleichzeitig dürfte die Übernahme aber auch eine Herausforderung darstellen. Denn trotz aller Synergien gibt es in den Produktsortimenten beider Unternehmen zahlreiche Überschneidungen, die im Zuge einer Zusammenlegung einen weitreichenden und langwierigen Integrationsprozess nach sich ziehen könnten.