Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen: 70 Prozent der Berufstätigen sind im Urlaub dienstlich erreichbar

Die meisten Arbeitnehmer sind auch im Urlaub für berufliche Anfragen erreichbar. Vollständig abzuschalten, ohne sich mit der Arbeit zu befassen, gelingt vor allem den jüngeren Jahrgängen.

(Foto: Aidman - AdobeStock)

Mehr als zwei Drittel der Berufstätigen in Deutschland sind einer Umfrage des Bitkom zufolge auch während ihres Urlaubs dienstlich ansprechbar – am ehesten per Kurznachricht (65 Prozent) oder Telefon (58 Prozent), seltener per E-Mail (26 Prozent). »Durch die digitalen Technologien befindet sich die Arbeitswelt in einem radikalen Wandel: Menschen können arbeiten, wann und wo sie wollen. Die vormals zumindest bei abhängig Beschäftigten klare Trennlinie zwischen Beruf und Privatleben löst sich zunehmend auf«, konstatiert Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. »Viele Arbeitnehmer genießen Vertrauensarbeitszeiten und können auch von ihrem Arbeitsplatz aus private Dinge erledigen. Und umgekehrt sind viele Arbeitnehmer bereit, auch im Urlaub dienstlich erreichbar zu sein.«

Einen klaren Trend in diese Richtung gibt es allerdings nicht. Die 70 Prozent der Befragten, die in diesem Jahr die berufliche Erreichbarkeit während ihres Urlaubs bejahten, sind zwar ein Anstieg gegenüber den 64 Prozent des Vorjahres. Allerdings schwanken die Werte stets ein wenig und der höchste Zustimmungswert datiert aus dem Jahr 2014 mit 76 Prozent. Interessant ist vor allem, dass damals 54 Prozent der Berufstätigen per E-Mail kontaktiert werden konnten, während heute nur noch eine Minderheit im Urlaub auf E-Mails reagiert. Das könnte darauf hindeuten, dass die Mitarbeiter keine Lust haben, sich in ihrer Freizeit durch die stetig wachsende Mail-Flut zu kämpfen und die Kontaktaufnahme durch Vorgesetzte, Kollegen oder Geschäftspartner vor allem für Notfallsituationen gedacht ist, in denen eine Kurznachricht oder ein Anruf die bessere Wahl sind.

Es sei wichtig, dass die freie Zeit möglichst ungestört zur Erholung oder für rein private Unternehmungen genutzt werden kann, betont denn auch Rohleder und mahnt, Unternehmen sollten darauf achten, dass es gute und funktionierende Vertretungslösungen gibt und Kollegen im Urlaub nur im absoluten Notfall gestört werden. »Viele Unternehmen verpflichten ihre Mitarbeiter nicht mehr, mit langem Vorlauf Urlaub einzureichen. Urlaubssperren wegen dienstlicher Belange werden zur Ausnahme. Das kann umgekehrt bedeuten, dass jemand auch während seines Urlaubs noch ein Auge auf ein laufendes Projekt hat, gerade in kleinen Unternehmen. Wichtig ist, dass Vorgesetzte mit ihren Mitarbeitern Absprachen zur Erreichbarkeit treffen, die der individuellen Situation am besten entsprechen.«

Im Urlaub nicht erreichbar sind am ehesten die jüngeren Mitarbeiter. So gaben in der Umfrage 36 Prozent der 16- bis 29-Jährigen an, dieses Jahr nicht erreichbar zu sein; bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 25 Prozent und bei den 50- bis 64-Jährigen 29 Prozent. Allerdings muss das nicht heißen, dass die Jüngeren bewusster Grenzen setzen. Womöglich haben sie in den meisten Fällen schlicht noch nicht die Positionen in Unternehmen erreicht, in denen sie auch während Abwesenheitszeiten mal eine Entscheidung fällen müssen.