Niederländisches Startup: Fairphone könnte Verkaufsschlager werden

Das niederländische Unternehmen Fairphone wird ein Smartphone auf den Markt bringen, dessen Lieferkette kontrolliert ist. Viele Verbraucher spricht das an, denn die Zahl der Vorbestellungen wächst rasant.

Ab Oktober 2013 erhältlich: Das Fairphone des gleichnamigen, niederländischen Startups. (Foto: Fairphone)

Die zahlreichen Fernseh-Berichte über die teils miserablen Arbeitsbedingungen bei chinesischen IT-Zulieferern haben sich offenbar in den Köpfen vieler Verbraucher eingebrannt. Doch egal, welchen Hersteller man wählt: Bisher ist es völlig undurchsichtig, wo einzelne Bauteile unter welchen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Und nicht nur die Arbeitsbedingungen in vielen chinesischen Fabriken sind bedenklich. Noch schlimmer geht es beispielsweise im Kongo zu, wo das Metall für die Smartphone-Produktion gewonnen wird. Bedenklich auch, dass viele Smartphones nach nur zwei, drei Jahren Nutzungszeit verschrottet werden – um dann auf Elektroschrotthalden in Ghana zu landen. Auf den Müllhalden dort werfen Kinder die Smartphones in offenes Feuer, um an das Altmetall der Geräte zu kommen.

Die Hersteller betonen derzeit zwar durchweg, dass sie ihre Lieferanten kontrollieren. Hinter hervor gehaltener Hand ist aber zu hören, dass die Zahl der Rohstoffhändler und anderer Zwischenhändler im Produktionsprozess derart groß ist, dass echte Kontrolle unmöglich ist.

Beim niederländischen Startup-Unternehmen Fairphone ist man sich dieser Problematik durchaus bewusst. In dreijähriger Vorbereitungszeit hat die kleine Firma die Lieferkette genau unter die Lupe genommen. So kommt das Metall für das Fairphone beispielsweise mit Herkunftszertifikaten von der »Initiative für konfliktfreies Zinn und Tantal«. So soll vermieden werden, dass Milizen und Kriegsherren aus dem Kongo an den Produkten mitverdienen. Auch Hersteller wie Intel oder Nokia beziehen Teile ihres Bedarfs über diesen Weg.

Ihren ursprünglichen Plan, das Smartphone in Europa produzieren zu lassen, mussten die Niederländer aufgeben: Sämtliche Produktionsstätten befinden sich zwischenzeitlich in Asien. Im chinesischen Shenzhen fand Fairphone aber immerhin einen staatlichen Produktionsbetrieb, der eine Überprüfung der Produktion zulässt. Da für die Produktion der ersten Charge nur wenige Tage benötigt werden, erhalten die Arbeiter dort zwar nicht mehr Lohn. Aber immerhin investiert Fairphone in einen Fonds, der eine schrittweise Verbesserung der Arbeitsbedingungen zum Ziel hat.

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